
Aleksandra, genauer gesagt Ola (weil sie niemand in Polen bei ihrem vollen Namen nennen würde, und Ola von "Oleksandra" kommt), geht für eine stille Tasse Tee durchs Feuer. Studierte Deutsche Literatur in Krakau und kennt daher das Nibelungenlied im Original, während es die meisten Deutschen wohl nicht mal buchstabieren können. Folgte dann vor über acht Jahren der Verlockung eines Aufbaustudiums in München, im Fach Computerlinguistik, und leitet heute ein Entwicklungsteam in einem IT-Unternehmen an, das zu machen, was sie sich so vorstellt. Ihre Freizeit verbringt sie viel mit dem Tanzen auf Tournieren. Traumziel: Einmal in Blackpool dabei zu sein.
Was Ola nicht mag: Wenn sich die Menschen zu ernst nehmen. Staubsaugen. Früh aufstehen. Wenn man sich den Kopf am offenen Küchenschrank anhaut.
Was Ola mag: Den Geruch von Frühling im Wald. An einer dunklen Praline zu riechen und sie dann zu essen. Gekuschelt zu werden. Melancholische polnische Musik. Wenn die Sonne durch unsere Wohnung scheint. Ein Vollbad. Durch ferne Länder reisen und dabei offen für Unbekanntes sein. Beim Kochen unmögliche Zutaten zusammenwürfeln und dabei (jedes zweite mal) etwas kreatives Neues zu erfinden.
Schifahren, Singen und Kaffee! Das sind die Leidenschaften von Clemens.
Er kann fantastisch Michael Jackson nachtanzen und arbeitet sich zur Zeit mit viel Enthusiasmus in handwerkliche Aufgaben ein - Lampen und Schränke kann er jetzt schon mit geschlossenen Augen aufhängen. Außerdem brät Clemens die besten Steaks und kann dazu immer einen passenden Wein empfehlen.
Clemens hat vor einiger Zeit seine Doktorarbeit in Computerlinguistik verteidigt und kennt sich hervorragend aus in finiten Automaten, Transduktoren und allerlei Datenstrukturen und anderen derartigen Zaubereien, von denen ein Normalsterblicher nicht mal weiß, dass sie existieren. Clemens arbeitet jetzt als Software Developer und kümmert sich darum, dass die Internetsuchmaschinen tatsächlich das finden, was die Leute im Internet so suchen.
Wofür schätze ich Clemens am meisten? Dafür, dass er die Leute so nimmt, wie sie sind, mit allen ihren Lastern und Unvollkommenheiten. Und dafür, dass er nie nachtragend ist und auch nie lange beleidigt sein kann.
Ola und Clemens haben sich irgendwann mal an der Uni getroffen. Da war der Clemens kluger Dozent und Ola war eine fleißige Studentin.
Danach gingen sie in dieselbe Firma. Oft arbeiteten sie bis lange in die Nacht und Clemens brachte Ola danach heim. Manchmal blieb er noch auf eine Tasse Tee.
Eines Tages im Winter gingen sie auf einen Berg, wo Clemens "Erdinger Weißbier" gesungen hat und Geschichten über König Ludwig erzählte, was Ola sehr gefiehl. Danach sausten sie auf einem Schlitten runter und sie haben dabei gemerkt, dass sie gar nicht so schlecht als Team funktionieren.
Wer weiß, welche Fortsetzung diese Geschichte hätte, wenn nicht eine Einstandsfeier, die etwas langatmig war und deswegen haben Ola und Clemens sie gleichzeitig verlassen... Seit diesem Abend sind sie zusammen und haben schon einiges erlebt und (wie ein polnisches Sprichwort sagt) "ein Faß Salz gemeinsam gegessen".
Im Sommer 2010 war es soweit. Clemens kaufte einen Ring und nahm die nichtsahnende Ola für ein Wochenende in die schönen Berge in Südtirol. In Bolzano verbrachten sie einen tollen Tag beim Wandern und danach bei einem 7-Gänge Menü mit viel gutem Wein. Danach nahm Clemens Ola auf eine Terrasse mit wunderbarem Blick auf den mit Sternen übersäten Himmel, die Berge und die Stadt zu ihren Füßen und fragte, ob sie seine Frau werden will. Ola sagte "ja" und die beiden wußten, dass in diesem Moment die längste, abenteuerlichste und schönste Reise ihres Lebens begann.